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Newsletter des Zentrums zur Förderung des Nichttötens - August 2009
Aktualisiert (Sonntag, 20. September 2009 um 18:47 Uhr) Geschrieben von: Anis Hamadeh Sonntag, 09. August 2009 um 17:51 Uhr
Die nicht tötende Gesellschaft - Illusion oder Ziel?
Mainz (09.08.2009) - Für Los Angeles gibt es jetzt eine Online-Statistik über Tötungsdelikte: www.latimes.com/homicidemap. Mithilfe solcher Statistiken kann ein Bewusstsein für die Realität des Tötens geschaffen werden. Außerdem machen sie das Nichttöten messbar. In Kriegs- und Krisensituationen gilt dies in besonderer Weise, vergleiche etwa www.iraqbodycount.org. Der August-Newsletter beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Frage, ob nicht tötende Gesellschaften realistisch und was dabei die Besonderheiten des 21. Jahrhunderts sind. Außerdem geht es um zehn Personen in Deutschland, die sich auf verschiedenen Feldern für das Nichttöten einsetzen, um den Weltkongress des internationalen Politologen-Verbandes in Chile und um den zweiten Band der Reihe "Bücher, die unsere Weltsicht verändern" im HWK-Verlag: "Antisemitismus und Islamophobie. Ein Vergleich" von Sabine Schiffer und Constantin Wagner. Der Tipp des Monats ist musikalisch: der kanadische Songwriter Dave Carroll hat bewiesen, dass man auf gewaltlose Weise zu seinem Recht kommen kann. Das Pressefoto des Monats ist Sabine Yacoubs (www.sabine-yacoub.de) Beitrag zum Art Festival, das durchgestrichene Galgenmännchen: www.nonkilling.de/cms/images/stories/2009/gallows.jpg
Die nicht tötende Gesellschaft - Illusion oder Ziel?
An der Oberfläche herrscht Einigkeit darüber, dass das Töten in der Welt zu reduzieren ist, möglichst zum Nullpunkt. Gleichzeitig haben neue Kriege begonnen, die in der Mainstream-Öffentlichkeit nicht hinreichend hinterfragt werden. Man kann dies als gesellschaftliche Doppelmoral kritisieren, aber auch als Werteverlust erkennen, der durch Aufklärungsarbeit behebbar ist. Müssen deutsche Soldaten wirklich in Afghanistan töten und getötet werden? Ein Großteil der Bevölkerung sagt Nein, hat aber nicht die Kraft, um diesen Standpunkt durchzusetzen. Zu tief verwurzelt ist der Glaube, dass das Töten und das Drohen damit wirksame Formen der Politik darstellen. Kennen wir überhaupt eine friedliche Welt, sei es zu Hause, in der Schule, an der Arbeitsstelle, in der Gesellschaft? Es scheint manchmal, als fehlten schlicht die Vorbilder, die die Möglichkeit von nicht tötenden Gesellschaften beweisen. Oder ist es doch nur die Brille unserer letalen Tradition, die uns Tendenzen des Nichttötens übersehen lässt? - Fortsetzung siehe www.nonkilling.de/cms/de/pressemitteilungen/83-ziel.html
Zehn in Deutschland, die sich für das Nichttöten einsetzen
Die folgende Biografien- und Quellensammlung (Grässlin, Hänsel, Schachtschneider, Todenhöfer, Reisin, Hörstel, Wagner, Neudeck, Pfaff, Alaiyan) betrifft Menschen, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten öffentlich in Deutschland für das Nichttöten einsetzen. Die Serie wird fortgesetzt. Siehe die zehn Biografien und Links unter www.nonkilling.de/cms/de/biografien/82-zehn.html
IPSA-Podiumsdiskussion über Nonkilling-Politikwissenschaft
Beim IPSA Weltkongress der Politikwissenschaft in Santiago, Chile vom 12.-16. Juli 2009 gab es eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Panel on Nonkilling Political Science: A Critical Evaluation". 3600 Politikwissenschaftler und 50 Politologenverbände gehören der IPSA (International Political Science Association) an. Die Vorträge kamen von Dr. Piki Ish-Shalom aus Israel ("Nonkilling Political Science in the Killing Fields of International Relations"), Dr. Joam Evans Pim aus Brasilien/Spanien ("Interdisciplinary Perspectives Towards a Nonkilling Paradigm") und Dr. Chaiwat Satha-Anand aus Thailand ("Violence as Anti-Politics: A Political Philosophy Perspective"). Auf dem Podium saßen auch Professor Michael Stein und Dr. Bill Bhaneja aus Kanada. Akademiker aus verschiedenen Ländern waren anwesend, darunter Politikwissenschaftler aus Südafrika, England und Belgien (Flemish Institute of Peace). Zwei der Thesen: Satha-Anand argumentiert, dass die Vorstellung von "politischer Gewalt" ein Widerspruch in sich sei, weil Gewalt Politik "tötet". Ish-Shalom vertritt die These, dass Neutralität zu Gunsten des Stärkeren geht und dass die Nonkilling-These, wie sie von Professor Paige vertreten wird, unter bestimmten Umständen zu Gunsten derer arbeiten kann, die zu töten bereit sind. - Mehr (auf Englisch) unter www.nonkilling.org/node/150
HWK-Verlag mit "Büchern, die unsere Weltsicht verändern"
Nach dem Buch "Nonkilling - Wissenschaft von der nicht tötenden Gesellschaft" ist nun der zweite Band der Reihe "Bücher, die unsere Weltsicht verändern" im süddeutschen HWK-Verlag erschienen. Titel: "Antisemitismus und Islamophobie. Ein Vergleich". Sabine Schiffer und Constantin Wagner untersuchen auf 260 Seiten, welche Gemeinsamkeiten die Ausgrenzungsdiskurse gegen Juden und gegen Muslime haben. Stereotype und Vorurteile beherrschen beide Diskurse. Besondere Aktualität bekommt dieses Buch durch den rassistischen Mord an einer Muslimin in einem deutschen Gerichtssal und die Berichterstattung über diesen Fall. Mehr zu diesem Buch unter www.anis-online.de/1/ton/57.htm und www.hwkverlag.de
Tipp des Monats
Glückwunsch an den kanadischen Songwriter Dave Carroll (www.davecarrollmusic.com), der mit gewaltlosen Mitteln zu seinem Recht gekommen ist. Seine Gitarre wurde auf einem Flug beschädigt und der Fluggesellschaft war es egal. Da schrieb Dave den Song "United Breaks Guitars" und stellte ihn auf www.youtube.com/watch?v=5YGc4zOqozo . In Form eines Country-Songs erzählt er seine Geschichte und es wurde ein Riesenhit im Internet mit fast fünf Millionen Zuhörern innerhalb von einem Monat. Diese Publicity zwang die betreffende Fluglinie dazu, den Fall anzuerkennen und fortan sehr freundlich aufzutreten. Eine solche virale Aktion kann natürlich auch für Nonkilling-Zwecke verwendet werden. Sie zeigt insbesondere das Potenzial von Kunst. - Dank an Charles Matthews (www.anis-online.de/1/rooms/charles/index.htm) für den Hinweis.
Termine
17.-18. September 2009, WHO, Genf, Schweiz: 4th Milestones of a Global Campaign for Violence Prevention Meeting: "Boosting global violence prevention"
Der Newsletter des Zentrums zur Förderung des Nichttötens - Nonkilling Deutschland (ZFNND) erscheint monatlich auf der Website www.nonkilling.de auf Deutsch und Englisch. V.i.S.d.P. ist Anis Hamadeh in Mainz. Kontakt und kostenloses Email-Abo unter info (at) nonkilling.de






